Das Aktuelle für Ärzte, Heil- und Pflegeberufe - Ausgabe 4/25
01.10.2025
1. KI: Chancen und Herausforderungen für Arztpraxen und Kliniken
Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in den deutschen Gesundheitssektor. Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 600 Ärzten zeigt, dass bereits fast jede siebte Arztpraxis KI nutzt – etwa zur Unterstützung bei Diagnosen oder zur Praxisverwaltung. In Krankenhäusern hat sich der KI-Einsatz seit 2022 verdoppelt: 18 % der Klinikärzte verwenden KI zur Auswertung bildgebender Verfahren, vor drei Jahren waren es noch 9 %.
Die Ärzteschaft steht der Digitalisierung und speziell dem Einsatz von KI offen gegenüber: 78 % sehen in KI eine große Chance für die Medizin. Zwei Drittel (67 %) sprechen sich für eine stärkere Förderung von KI-Anwendungen aus. Zudem glauben 60 %, dass KI in bestimmten Fällen Diagnosen verbessern kann. Neben KI setzen Kliniken verstärkt auf Robotik (26 % der Ärzte berichten von Robotereinsatz bei Operationen) und Virtual Reality, vor allem für Trainingszwecke (11 %).
Telemedizinische Angebote sind ebenfalls auf dem Vormarsch: Immer mehr Kliniken halten Konsultationen per Video ab oder überwachen Patienten via Remote-Monitoring. Auch Praxisabläufe werden zunehmend digitalisiert: 25 % bieten Videosprechstunden an, 37 % ermöglichen Online-Terminvereinbarungen und 21 % werten Fitness-Tracker und Apps aus.
Die elektronische Patientenakte (ePA) wird von 68 % der Ärzte grundsätzlich begrüßt, doch viele fühlen sich für deren Nutzung nicht ausreichend vorbereitet (77 %). Technische Unsicherheiten, Datenschutzbedenken und hoher administrativer Aufwand hemmen die Anwendung. Mit dem seit 2025 geltenden Opt-out-Modell wird die ePA automatisch für gesetzlich Versicherte aktiviert, was den flächendeckenden Einsatz weiter vorantreiben soll.
Trotz der positiven Haltung gegenüber der Digitalisierung sehen 81 % der Ärzte die hohe Komplexität des deutschen Gesundheitssystems als Hindernis. Weitere Barrieren sind langwierige Genehmigungsverfahren, die mangelnde Marktreife digitaler Anwendungen sowie als zu streng empfundene Datenschutzregelungen, die 72 % als Innovationsbremse ansehen. Die Mehrheit fordert eine praxisnahe und realistische Regulierung von KI und digitalen Technologien im Gesundheitswesen.
2. E-Rezept in Apotheken: Positive Bilanz trotz Herausforderungen
Seit fast eineinhalb Jahren ist das elektronische Rezept (E-Rezept) per Gesetz in allen deutschen Apotheken im Einsatz. Trotz Herausforderungen ziehen viele Apothekeninhaber eine überwiegend positive Bilanz, wie der aktuelle Apothekenkonjunkturindex (APOkix) des IFH Köln zeigt.
Rund zwei Drittel der befragten Apothekenbetreiber bewerten ihre Erfahrungen mit dem E-Rezept als positiv (65 %). Besonders hervorgehoben werden der verbesserte Schutz vor Rezeptbetrug und die Reduktion von Abgabefehlern.
Gleichzeitig beklagen viele Apotheken Probleme bei der Einlösung der E-Rezepte. Hauptursachen sind die verzögerte Bereitstellung der digitalen Rezepte durch Arztpraxen (93 %), Fehler beim Ausfüllen (47 %) und technische Schwierigkeiten mit der Telematikinfrastruktur (38 %). Auch der Datenschutz erhöht den Aufwand (61 %).
Die Mehrheit der Kunden nutzt bei der Einlösung die elektronische Gesundheitskarte (86 %). Gedruckte QR-Codes bringen 9 % der Patienten mit, die Nutzung von E-Rezept-Apps liegt bei nur 5 %. Zudem beobachten 93 % der Apotheken einen verstärkten Wettbewerb mit Versandapotheken.
Viele wünschen sich, dass das E-Rezept auch für Privatversicherte verpflichtend eingeführt wird (55 %), um den digitalen Fortschritt flächendeckend umzusetzen. Gleichzeitig sehen sie einen großen Informationsbedarf bei Patienten (70 %).
Hinweis: Das E-Rezept modernisiert die Apothekenversorgung trotz bestehender Hürden. Für den langfristigen Erfolg sind bessere Umsetzung, mehr Patientenaufklärung und Einbindung aller Versicherten wichtig.
3. Umsatzplus und starkes Vertrauen: Augenoptik trotzt Konsumflaute
Die deutsche Augenoptik-Branche blickt laut dem Branchenbericht 2024/2025 des ZVA auf ein wirtschaftlich solides Jahr zurück. Trotz Konsumzurückhaltung und schlechter Verbraucherstimmung konnte die Branche ein Umsatzwachstum von 3,1 % verzeichnen. Der Gesamtumsatz stieg auf 6,98 Mrd. €.
Besonders die Brillenoptik trug mit 5,67 Mrd. € Umsatz maßgeblich zum Wachstum bei, ein Plus von knapp 3,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Online-Konkurrenz bleibt schwach: Nur 0,5 % des Brillenumsatzes entfällt auf reinen Online-Handel.
Die Anzahl verkaufter Brillen sank jedoch um 1,5 % auf rund zwölf Millionen Stück, die Zahl der Brillenträger ging im Vergleich zu 2019 um 2,6 % auf 38,7 Millionen zurück. Der ZVA führt dies auf zurückhaltende Kaufbereitschaft zurück, insbesondere bei Personen ohne zwingenden Sehhilfe-Bedarf.
Die Fachkräftesituation bleibt angespannt: 36 % der Betriebe suchten in den letzten sechs Monaten qualifiziertes Personal, vor allem Gesellen (89 %) sowie Meister (65 %). Nur rund ein Drittel der Stellen konnte besetzt werden.
Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben bereits 17 % der inhabergeführten Betriebe sich aus der Versorgung zurückgezogen, weitere 17 % planen dies nach Ablauf ihrer Befristung.
4. Pflegeversicherung muss Umbaumaßnahme finanzieren
Das Sozialgericht Mainz hat entschieden, dass Pflegekassen den Einbau einer Klimaanlage für pflegebedürftige Menschen finanziell bezuschussen müssen. Anlass war der Antrag einer Betroffenen, eine Klimaanlage in ihrer Eigentumswohnung zu installieren.
Die Pflegekasse hatte den Antrag zunächst abgelehnt, die Klägerin machte geltend, die Klimaanlage sei aus gesundheitlichen Gründen notwendig. Das Gericht stimmte zu: Klimatisierte Räume erleichtern die Pflege, beugen gesundheitlichen Risiken vor und ermöglichen selbständigere Lebensführung.
Hinweis: Das Urteil könnte Signalwirkung für vergleichbare Fälle haben und die Pflegelandschaft nachhaltig beeinflussen.
5. Apothekenmarkt: Spezialisierung und Service als Schlüssel zum Erfolg
Immer mehr Apotheken setzen auf Spezialisierung, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Laut APOkix verfolgen 43 % der Apotheken bereits eine Spezialisierungsstrategie, 12 % planen dies. Besonders in Regionen mit hoher Apothekendichte ist der Trend stark ausgeprägt.
Kundenorientierte Maßnahmen wie optimierter Service (93 %), erweiterte Beratungskompetenz (91 %) und Zusammenarbeit mit lokalen Gesundheitsakteuren (72 %) gelten als besonders erfolgversprechend. Spezialisierungsschwerpunkte sind Naturheilkunde, Impfberatung oder Ernährung. Traditionelle Maßnahmen wie Sonderangebote (61 %) oder längere Öffnungszeiten (82 %) verlieren an Bedeutung.
Gezielte Weiterbildung der Mitarbeiter ist entscheidend: 96 % der Apotheken in konkurrenzstarken Regionen sehen darin einen Erfolgsfaktor. Trotz neuer Strategien bleibt die heilberufliche Ausrichtung zentral.
6. Schlank per Spritze: Nicht auf Kosten der Krankenkasse
Das Sozialgericht Mainz hat entschieden, dass Präparate wie „Wegovy“ nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Abnehmspritzen gelten als Lifestyle-Produkt, das der Selbstoptimierung dient.
Hinweis: Wer für Gewichtsreduktion Medikamente nutzen möchte, muss die Kosten selbst tragen.
7. Digital-Health-Markt im Check: Mehr Apps, weniger Nutzen
Die Zahl deutschsprachiger Gesundheits-Apps ist stark gestiegen, doch wissenschaftlich belegter Nutzen und Datenschutz lassen oft zu wünschen übrig. Deutschland führte 2020 ein strukturiertes Erstattungsverfahren für DiGAs ein.
Die Analyse zeigt: Quantitatives Wachstum überwiegt, qualitativ hochwertige Apps mit nachweisbarem Nutzen sind selten. Aktuell sind von 57 verordnungsfähigen DiGAs nur 44 dauerhaft gelistet, 13 vorläufig.
Hinweis: Der digitale Gesundheitsmarkt wächst rasant, echte therapeutische Mehrwerte bleiben jedoch die Ausnahme.
Steuertermine
November 2025
-
10.11. (*13.11.): Umsatzsteuer (Monatszahler), Lohnsteuer mit SolZ u. KiSt (Monatszahler)
-
17.11. (*20.11.): Gewerbesteuer, Grundsteuer
-
26.11.: Sozialversicherungsbeiträge
Dezember 2025
-
10.12. (*15.12.): Umsatzsteuer (Monatszahler), Lohnsteuer mit SolZ u. KiSt (Monatszahler), Einkommensteuer mit SolZ u. KiSt (Vorauszahlung), Körperschaftsteuer mit SolZ (Vorauszahlung)
-
23.12.: Sozialversicherungsbeiträge
Januar 2026
-
12.01. (*15.01.): Umsatzsteuer (Monats-/Quartalszahler), Lohnsteuer mit SolZ u. KiSt (Monats-/Quartalszahler)
-
28.01.: Sozialversicherungsbeiträge
Hinweis: Letzter Tag der Zahlungsschonfrist, nicht für Bar- und Scheckzahler. Zahlungen mit Scheck bewirken Wirkung erst drei Tage nach Eingang. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktuelles
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie regelmäßig interessante Informationen zu relevanten Themen und Terminen.